Wenn es ums Stillen geht, sind Freunde und Verwandte selten verlegen, mit hilfreichen Tipps um die Ecke zu kommen. All diese Ratschläge sind sicher gut gemeint, aber wie viel Wahrheit steckt denn tatsächlich in Sätzen, wie „Deine Brust ist nach dem Stillen dahin“? Daher möchte ich nun mit den, in unserer Gesellschaft kursierenden, Ammenmärchen bezüglich des Stillens aufräumen.
Egal, ob eine Frau stillt oder nicht, Veränderungen an der Brust der Frau lassen sich nicht feststellen. Zumindest haben diese Änderungen nichts mit dem Stillen zu tun, sondern mit der Schwangerschaft an sich. Natürlich dauert es eine Weile bis sich die Brust nach einer Schwangerschaft zurückbildet und wie viele Frauen bestätigen können, ist dies nicht immer zu 100 Prozent der Fall. Aber das hat nichts mit dem Stillen zu tun, sondern viel mehr mit dem Umstand der Schwangerschaft und vor allem mit der Beschaffenheit des Bindesgewebes der Frau. Frauen mit einem schwachen Bindegewebe werden im Alter an ihrer Brust so oder so den Verlust der Spannkraft feststellen müssen, egal ob sie jemals schwanger waren.
Die Größe der Brust ist völlig belanglos und hat nichts mit der Fähigkeit des Stillens zu tun. Die Milchproduktion ist also völlig unabhängig vom Fettgewebe. Wie viel Milch eine Mutter produziert ist von der Häufigkeit des Stillens abhängig. Beim Stillen werden die Hormone Oxytozin und Prolaktin in der Hirnanhangdrüse freigesetzt. So kommt es dazu, dass die Milch fließt, wenn das Kind gestillt wird.
Das ist völlig an den Haaren herbeigezogen. Das Schlafverhalten von Babys hat wirklich nichts mit dem Stillen oder Nicht-Stillen zu tun. Babys haben zunächst einen anderen Schlaf als Erwachsene und wachen generell viel öfter auf. Wie beim Sprechen, Krabbeln oder Laufen gehört das Durchschlafen zum Reifeprozess und wie bei allen Fähigkeiten, lernen Kinder unterschiedlich schnell.
Wozu soll das gut sein? Einige behaupten Ihr Kind würde sonst Bauchschmerzen oder Blähungen bekommen – völliger Quatsch! Ob in 1,5 oder 3 stündigen Abständen – Sie und vor allem der Hunger Ihres Babys entscheiden über die Stillzeiten. Wichtig ist nur, dass Ihr Kind an die Hintermilch herankommt, denn die ist der entscheidende Energielieferant.
Das ist totaler Unsinn – Ihr Ernährung kann die Milchproduktion kaum beeinflussen. Vielmehr herrscht hier das Prinzip von Angebot und Nachfrage – höhere Nachfrage, größeres Angebot. Um dies zu gewährleisten sollten sie lediglich regelmäßig beim Sillen zwischen der linken und rechten Brust abwechseln.
Hier verhält es sich ähnlich wie während der Schwangerschaft: So lange Ihnen Sport gut tut, kann es auch nicht schlecht sein. Empfehlenswert ist es, Ihr Kind vor dem Sport zu stillen, dann müssen Sie sich nicht mit „vollen“ Brüsten abkämpfen. Wenn Sie etwas mehr Sport als gewöhnlich betrieben haben, kann es passieren, dass sich der Geschmack der Milch vielleicht etwas verändert. Aber da Ihre Milch nicht schlecht werden kann, gibt es auch keine Risiken für Ihr Kind.